Bodybuilding, eine Sportart oder eine Lebenseinstellung?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Es ist beides, sowohl Sport als auch Lebenseinstellung bis hin zu Lebensstil. Jeder weibliche oder männliche Bodybuilder hat eine eigene Einstellung zu seinem Hobby. Denn es ist eine sehr trainingsintensive und zeitaufwändige Freizeitbeschäftigung. 
Gewichte für den Muskelpump
Dass es sich um eine ernstzunehmende Sportart handelt, lässt sich am deutlichsten an der verbandsmäßigen Struktur sowie an dem durchorganisierten Wettkampfsystem ablesen. Bodybuilding gehört zum Wettkampfprogramm der World Games, einer vergleichbaren Veranstaltung zu den Olympischen Spielen für die Sportarten, die nicht zum olympischen Programm zählen. World Games werden jeweils im nacholympischen Jahr der Sommerspiele ausgetragen, beispielsweise im Jahre 2013, also nach London in Kolumbien, und vier Jahre später nach Rio de Janeiro in Polen. Bei dieser Multiveranstaltung sind auch solch bekannte Sportarten wie Billard, Karate, Rettungsschwimmen, Squash, Tanzsport oder Wasserski vertreten. Im Bodybuildingsport gibt es für Frauen und Männer Weltmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften sowie regionale Turniere und Wettbewerbe in verschiedenen Gewichtsklassen mit unterschiedlichen Disziplinen. Deutschlandweit, europa- und weltweit.

Es ist so wie in allen anderen Sportarten auch: Schmale Spitze durch Breite. Also wenige Leistungs- und Hochleistungssportler durch viele Breiten-, Freizeit- und Hobbysportler. Nicht jeder Bodybuilder möchte an Turnieren oder Wettkämpfen teilnehmen. Auch dann nicht, wenn er wöchentlich mehrere Male und regelmäßig in seinem Fitnessstudio trainiert. Millionen Bodybuilder trainieren für sich, just for Fun. Während es anstelle des Sports noch vor einigen Jahrzehnten in den damaligen Hinterhof-Sportgyms ein mehr oder weniger stures Eisenstemmen war, hat es sich seit den 1980er Jahren zu einer Lebenseinstellung, zu einem Lebensstil bis hin zu einer eigenen Kultur entwickelt.

Dafür gab es mehrere Anlässe, die sich zeitgleich entwickelt haben. Die Aerobic-Welle aus den USA, geprägt von der US-amerikanischen Schauspielerin Sydne Rome, kam Anfang der 1980er Jahre nach Deutschland. Es öffneten die ersten Fitnessstudios und Fitnesscenter. Sie wurden sowohl von Frauen als auch von Männern besucht. Parallel dazu entwickelte sich der Gesundheitstrend, unterstützt durch Präventions- und Vorsorgemaßnahmen der Krankenkassen. Gesunde Ernährung, gesundes Leben, Lifestyle und Life-Balance waren Begriffe im Fitnessalltag. Es wurden viele neue Begriffe entwickelt, die Fitnesscenter wurden zu großen Wellness-Oasen mit Saunalandschaft, Physiotherapie, Kosmetik und Beauty, und eben auch mit Fitnessgeräten. Es wurden Mitgliedschaften eingeführt, Kurse angeboten, eine ganz eigene Fitness- und Bodybuildingwelt entwickelte sich – und natürlich auch ein eigener kommerzieller Markt, der seitdem boomt und boomt.

Heutzutage, zwanzig oder dreißig Jahre später hat sich das Bodybuilding mit allem Drumherum als eine eigene Lebenseinstellung gefestigt. Es ist eine gepflegte Sportart, sie findet in schönen Studios statt, und es ist nicht mehr reine Männersache. Bei einer Nachbetrachtung war dieses Loslösen von der früheren Muckibude für den “Muskelpump” ganz ausschlaggebend für das heutige Bild des Bodybuildings, des Bodystyling. Wie jede andere Sportszene, ist auch die Bodybuildingszene eine eigene Welt für sich. Wer sich nicht für Tennis interessiert, wird kaum verstehen, dass ein knapp sechsstündiges Finale im Grand Slam ein sportliches Highlight ist. Ähnlich ergeht es Außenstehenden, wenn sie sich mit den Wertungskriterien Muskulosität, Präsentation oder Ästhetik beim Wettkampf der Männer in den Gewichtsklassen bis hundert Kilogramm oder darüber befassen.

Dass zum Bodybuildingsport, sei es als Hobby oder Leistungssport, eine ergänzende Sportnahrung gehört, ist nur zu verständlich und in vielen anderen Sportarten im Übrigen auch erforderlich. Im Grunde genommen geht es dabei nur und ausschließlich um einen gekonnten und dauerhaften Austausch von überflüssigem Körperfettanteil zugunsten des Muskelaufbaus.
Denn beim Bodybuilding werden gutgeformte und ausgeprägte Muskeln sowohl zur Kraft als auch zur Präsentation, praktisch zur Körpermodifikation benötigt.